Musikschule Olschewski


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Aus der Forschung

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Die Musik spielt im Gehirn
Von Angela Grosse 7. Mai 2002, 00:00 Uhr
Hirnforschung: Musik trainiert das Gehirn. Wer musiziert, verändert die "komplexeste Materie des Universums" überraschend schnell und dauerhaft.

Die Finger fliegen über die Tasten, verharren, zögern, setzen zum akrobatischen Lauf über die Klaviatur an - der Pianist scheint mit dem Flügel zu verschmelzen. Fulminante Klänge erfüllen den Raum, dringen in die erwartungsvoll gespitzten Ohren der Zuhörer, weggeblasen sind die Alltagssorgen, verzaubert die Gehirne. Wie ist das möglich? Um zu ergründen, was sich in der "komplexesten Materie des Universums" abspielt, belauschen Hirnforscher und Musikphysiologen das Gehirn. Moderne Methoden erlauben faszinierende Einblicke, wie Musik wirkt. Die rasante Reise eines Klanges vom Musikinstrument bis zur Wahrnehmung im Gehirn startet in den Ohren. Erst im Innenohr verwandeln Nervenzellen die Musik in Nervenimpulse, die in Richtung Gehirn jagen. Zunächst landen sie im Hirnstamm, wo der Schall mindestens vier Umschaltstationen durchläuft und analysiert wird. Vor allem die Richtung, aus der der Schall kommt, wird hier bestimmt. Die Evolution lässt grüßen: Um bei Gefahr rechtzeitig fliehen zu können, muss man vor allem schnell wissen, woher ein Laut kommt. Darf der Klang das "Tor zur Großhirnrinde", den Thalamus, passieren, erreicht er die primäre Hörrinde, bevor er in der sekundären Hörrinde, die einen Halbkreis um die primäre Hörrinde bildet, verarbeitet wird - das Gehirn schwelgt in Musik. Die Hörrinde liegt auf den Schläfenlappen beidseits des Gehirns. "Dabei erfüllt jede Seite bei musikalischen Laien eine andere Aufgabe", sagt Professor Eckart Altenmüller, vom Institut für Musikphysiologie und Musik-Medizin, Hannover. Die primäre Hörrinde der linken Seite analysiert eher rhythmische Muster und Zeitabläufe, die der rechten Seite Töne und Melodien. Während die primäre Hörrinde eine Momentaufnahme des ankommenden Schalls erstellt, bei dem bestimmte Aspekte bereits aussortiert oder vermessen sind, verknüpft die sekundäre Hörrinde die Eindrücke. Musik sei daher ein gutes Training fürs Denken, denn beide Hirnhälften müssen arbeiten, so der renommierte Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer. Das kann man besonders gut im Gehirn von Berufsmusikern sehen. Bei ihnen sind beide Hirnhälften stark verknüpft, musikalische und motorische Nervennetze wirken intensiv zusammen, und Assoziationsregionen werden stets aktiviert. "Ein weiterer Beleg, wie formbar das Gehirn ist", so Professor Altenmüller. Musizieren formt den Kosmos Gehirn sogar sehr schnell, wie ein Versuch am Institut in Hannover zeigt.

20 Tage übten 16 junge Erwachsene, die kein Instrument spielten, Klavier. Mit beeindruckenden Folgen: Allein wenn die Versuchsteilnehmer ein vertrautes Stück hörten, wurden die Nervenzellen der Bewegungsregionen aktiv. Und bewegten sie die Finger auf den Tasten eines stummen Klaviers, meldeten sich die Hörregionen des Gehirns. Diese Veränderungen konnten die Forscher noch ein Jahr später beobachten. Musik verändert das Gehirn also auch längerfristig.

Der Tübinger Hirnforscher Nils Birbaumer vermutet sogar, dass aktives Musizieren wie keine andere menschliche Tätigkeit dauerhaften Einfluss auf Gehirnanatomie und -physiologie habe. Offenbar besitzt jeder Mensch sogar ein musikalisches Grundverständnis. Das legen Experimente des Hirnforschers Stefan Kölsch vom Max-Planck-Institut für neuropsychologische Forschung in Leipzig nahe. Er maß bei rund 200 Versuchspersonen die Gehirnströme, während sie klassische Dur- und Mollklänge hörten, in denen "falsche" Akkorde versteckt waren. Nur Millisekunden, nachdem die Akkorde erklangen, wurden Gehirnbereiche aktiv, die bei "richtigen" Akkorden schliefen. Das Gehirn hatte sie erkannt. "Dabei ist vermutlich ein Ursystem angeboren, das später kulturell überbaut wird", urteilt Professor Altenmüller. Er zweifelt nicht, dass Musik gezielt Emotionen, Ekstase hervorrufen kann. Diese will er finden. Dafür sollen 400 Menschen aus West und Ost Musikstücke benennen, die ihnen "Gänsehaut" bereiten. Diese Stücke wollen die Forscher analysieren, um zu erfahren, was sie eint. Die Basis für Eigenkompositionen, die sie ihren Versuchsteilnehmern vorspielen wollen, um zu erfahren, ob sie unter die Haut gehen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wird im Herbst über das ungewöhnliche Projekt entscheiden. Weitere Informationen: Lesetipp: "Das wohltemperierte Gehirn", R. Jourdain, Spektrum Akademischer Verlag, 440 Seiten. Anfang Juni erscheint ein Übersichtsartikel vonProf. Altenmüller/Prof. T. Münte/Prof. L. Jähncke in "nature reviews neuroscience".

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